SNOOPY DER GLÜCKLICHE

von Ivonne Sallach

Hallo Ihr Lieben! Und ArooOO an all meine vierbeinigen Artgenossen! Ich möchte euch meine Geschichte erzählen: Die Geschichte, wie aus dem Beagle mit der Nummer "0009/FH1" Snoopy der Glückliche wurde.

  Chapter One: Ein trauriger Tag

Am 09.März des Jahres 2001 musste mein Frauchen sich von ihrer wichtigsten und wertvollsten Freundin trennen: Meiner Vorgängerin "La Toya" (übersetzt: Die Schöne ... und das war sie wirklich). Sie litt seit Ihrer Geburt an einem Herzfehler, der zu spät entdeckt wurde, und an diesem Tag erlöste mein Frauchen sie von ihren Qualen. Hier seht Ihr ein Foto von ihr: war sie nicht bildschön?

Zu dieser Zeit stand mein Urteil, das Labor verlassen zu müssen, wohl schon fest. Aber noch ahnten weder ich noch  Herrchen und Frauchen etwas von meinem Glück...

  Chapter Two: Ein Entschluss wird gefasst

Nach zwei Wochen, in denen es schauderlich ruhig in der Wohnung war und Frauchen entzündete Augen vom Weinen hatte, war Herrchen der Ansicht, dass es so nicht weitergehen könne. Ein neuer Hund in Not (La Toya kam aus dem Tierheim) sollte Toyas verlassene Lieblingsplätze besetzen und neues Leben in die Wohnung bringen. Doch was für einer sollte es sein??? Da mehrere Faktoren gegen einen weiteren Am. Staff sprachen, wurden das Internet und sämtliche Hundelexika erforscht...und sie wurden fündig: Der Beagle! Nur: Es sollte keiner vom Züchter sein, sondern ein armes Würstchen, das dringend ein Zuhause sucht, wie ihrerzeit La Toya.  Und da kamen Herrchen und Frauchen auf die Seite der IG Tiere in Not (www.versuchstiere.de)! Die Seite wurde gründlich studiert, Tanten (14 und 11) samt Eltern eingeladen, und es wurde abgestimmt. Alle waren einverstanden: ein Beagle aus dem Labor! Viel Zeit hat Frauchen ja zum Glück, Hundeerfahrung auch, und in allen Büchern zum Thema Beagle stand eindeutig geschrieben, dass Beagles sehr kinderlieb und gesellig sind, perfekt!!! Also rief Frauchen Herrn Hiesener von der IG Tiere in Not an und unterhielt sich sehr lange und ausgiebig mit ihm über das Thema Laborbeagle. 

Alle unsere Vor und Nachteile wurden durchgegangen...der Entschluss stand fest! Man sagte ihnen, es würde noch eventuell bis zu 6 Monaten dauern, bis neue Beagles aus dem Labor kämen, und Frau Löhken von der IG Tiere in Not würde sich noch bei Frauchen melden. 

Nun ist mein Frauchen in solchen Sachen nicht gerade die Geduldigste, und so rief sie am nächsten Tag bei  Frau Löhken an, um mit ihr zu sprechen. Und Frau Löhken erzählte meinem Frauchen (die sich eigentlich auf ein Beaglemädchen in einem Alter von 2-5 Jahren eingestellt hatte) von mir: Beaglerüde, 5 1/2 Monate, und am Samstag der selben Woche sollte ich schon entlassen werden! Und wieder stand der Entschluss fest: Ich würde am Samstag von Frankfurt nach Essen ziehen!

 

  Chapter Three: Mein Einzug

Am Samstag, den 30.03.2001, ging meine Reise in ein neues völlig neues, schönes und beängstigendes Leben los. Am frühen Morgen wurde ich aus meinem Zwinger geholt. Man hat ja dann als Versuchs-Beagle immer ein mulmiges  Gefühl: Was werden sie heute mit mir anstellen? Ich selbst hatte zwar noch keine wirklich schlimmen Erfahrungen gemacht, aber man hört so allerhand von den anwesenden Zwingergenossen...also alle Sinne aufmerksam, Beinchen in Fluchtbereitschaft!

Doch ich wurde "nur" in einen kleineren Zwinger, einen "Kennel", gesteckt und ein netter Mann (liebe Grüße an Herrn Schmidt und seine Familie an dieser Stelle) und seine Tochter nahmen mich in ihrem Auto mit. Essen, ich komme!!!

Nach einer mir ewig vorkommenden Zeit des Autofahrens kamen wir an. Mein Herrchen und Herr Schmidt trugen mich die Treppen hoch in mein neues Zuhause. Frauchen erledigte den Papierkram, und ich wagte mich mit laaaaaanggestrecktem Hals hinaus in diese seltsame Umgebung....kein Desinfektionsgeruch...keine weißen Kacheln....keine weißen Kittel...aber einen Hund konnte ich riechen, wenn der Geruch auch schon sehr schwach war. Also kroch ich hinaus ins Wohnzimmer. Da waren: Frauchen, Herrchen, ein gaaanz kleiner Mensch und meine Meli (die mich sofort an sich drückte). 

Frauchen war etwas erstaunt, als sie mich sah: Sie hatte sich mich etwas kleiner und vor allem kürzer ;-) vorgestellt. Nun gut, ich gebe zu, ich war mit meinen 5 1/2 Monaten natürlich noch nicht in meinen schlacksigen Körper reingewachsen ;-).

 

  Chapter Four: Welt, hier bin ich!

Das erste, was ich bekam, war ein Name: Snoopy sollte ich heißen. Wie ich mittlerweile festgestellt habe, nicht sehr einfallsreich, aber Frauchen ist der Ansicht es passt wie A.... auf Eimer ;-) 

Die ersten Wochen meines neuen Lebens waren sehr aufregend und beängstigend, aber ich habe sie überlebt. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, gaaanz, gaaanz vorsichtig zu sein, aber nach 1 1/2 Stunden in meinem neuen Zuhause bin ich bald geplatzt vor Neugierde und habe erst mal die Wohnung angeschaut (vor allem beschnüffelt). An manchen Plätzen roch es noch intensiv nach Hund, aber finden konnte ich ihn nicht. Aber die Lieblingsplätze dieses Hundes rochen noch intensiv und das beruhigte mich irgendwie. Also übernahm ich schon mal sofort den Platz auf dem Sessel (boah, haben Herrchen und Frauchen gestaunt als ich nach 2 Stunden sofort auf dem Sessel residierte!) und den Platz am Fenster auf dem Nachtspeicher.

Langsam aber sicher überkam mich auch ein fürchterlicher Durst. Herr Schmidt, der mich gebracht hat, hatte Frauchen erklärt, dass wir im Labor aus einer Art "Nippeltränke" trinken und erst ein mal Schwierigkeiten  haben könnten, aus dem Näpfchen zu trinken. Ich nicht. Ich hatte Durst und ich war heilfroh, als ich diesen ominösen "Napf" dann fand.

Die erste Nacht habe ich mit Frauchen und Meli im Schlafzimmer verbracht. Herrchen hatte einen Freund zu Besuch, und die machten einen sogenannten "Zockerabend", das war lustig! Überall lagen diese Kabel herum und CDs, das ließ sich alles herrlich anknabbern, aber Frauchen hat mich dann einfach mit in ein anderes Zimmer genommen. Ich habe ganz alleine vor dem Bett auf dem Teppich geschlafen (Mann, war ich blöd ;-))). Aber das war unheimlich und kalt. Wisst Ihr, ich habe nie zuvor ganz allein geschlafen.

Am zweiten Tag fand ich endgültig heraus, der neue King im Haus zu sein: bei dem Fest, das gefeiert wurde, als ich draußen meinen Haufen gesetzt und gepieselt habe... Die Stubenreinheit war übrigens das erste, was ich gelernt habe! Das ging so schnell (1 Woche), dass Frauchen es kaum glauben konnte.

Am zweiten Abend in meinem neuen Zuhause befand ich, dass es mir unten auf dem Boden zu unpersönlich  war...also krabbelte ich ganz vorsichtig und gaaaaaanz langsam auf diese schmale Stelle an Frauchens Bettrand und kuschelte mich ganz eng an sie. Damit hatte ich sie komplett um die kleine Pfote gewickelt.

 

  Chapter Five: Der Albtraum

Als ich 7 Monate alt war, gingen wir wie jeden Tag gegen Abend in unseren Wald. Wir machten einen tollen Spaziergang, ich habe viele Hunde getroffen und getollt, so viel die Leine hergab.

Gegen 21.00 befanden wir, dass wir uns doch auf den Rückweg machen sollten (ich war mit Frauchen allein). Wir waren schon fast am Waldausgang, da bemerkte ich, dass mein Halsband zwickte und zwackte, weil es vom Spielen ganz verdreht war...also jammerte ich ein wenig herum und Frauchen löste die Leine und drehte mein Halsband richtig. Da spürte ich auf einmal einen höllischen Schmerz an meinem Schenkel und ein  furchtbar lautes Geräusch. Heute weiß ich, dass es ein Fahrradfahrer war (seitdem meide ich diese Höllenmaschinen!!!), der mich angefahren hatte. Ich habe mich so erschrocken, dass ich mich losriss und in Panik wegrannte....bloß weg da!!!

Es war schon dunkel, und ich war seit Stunden unterwegs. Ich hörte immer gaaanz schwach Frauchen meinen Namen rufen, aber ich traute mich einfach nicht zurück. Irgendwann war es still. Ich hatte Angst und Hunger.  Vielleicht konnte ich unbemerkt alleine nach Hause laufen? Also trat ich den  Rückweg an und traf auf halber Strecke Herrchen. Der wedelte mit leckerer Salami und säuselte mit engelsgleicher Stimme auf mich ein, aber irgendwie habe ich an diesem Abend keinem mehr getraut und bin wieder zurück in den Wald  gerannt....schnurstracks nach Mülheim ... vielleicht konnte ich meine Meli erreichen?

Ich lief die ganze Nacht, den ganzen Tag und immer wieder waren da Leute, die mich einfangen wollten. Ich rannte und rannte, bis meine Pfoten blutig waren und ich nicht mehr richtig laufen konnte. Da habe ich mich dann auf einem Feld versteckt, ganz in Meli´s Nähe. "Hoffentlich kommt sie noch und holt mich", dachte ich mir, aber sie kam nicht. Sie suchte nämlich immer noch im Wald nach mir.

Es war schon ganz spät nachts, da schnüffelte auf einmal etwas Gepunktetes an mir: Oskar, der Dalmatiner, mein Lebensretter, ohne den ich bestimmt verhungert wäre. Sein Herrchen nahm mich mit nach Hause. Ich konnte vor Hunger gar nicht mehr weglaufen (man bedenke: ein Beagle über 24 Stunden ohne etwas zu  fressen!). Bei Oskar zuhause bekam ich erst mal Futter. Ich fraß und fraß und fraß...die dachten bestimmt, ich sei schon seit Wochen unterwegs. Nach dem Fressen ging alles sehr schnell. Man packte mich vollgefressenen  Beagle ins Auto und brachte mich...nach Hause!!! Ich wurde begrüßt wie ein König, und Frauchen hat vor lauter Erleichterung sogar geheult. 

Als kleiner Tipp an alle Frauchen und Herrchen da draussen: "TASSO" das kostenlose, große Haustier-Register, rettet  Hunde- und Katzenleben, lasst euch dort auch registrieren).

Jaaaa...das war was.......

 

  Chapter Six: Aus meinem weiteren Leben

Nun, heute, im November 2001, bin ich stolze 13 Monate alt. Ich habe viele neue Freunde (an dieser Stelle ArooOO an Luna, Kira, Maya, Luca, Sascha und unser Nesthäkchen Anton) und einen neuen "Bruder": Dante. Ihr werdet hier sicher noch ein Foto von ihm zu sehen bekommen. Er ist der Hund von Frauchens Freundin und wir sind jeden Tag zusammen unterwegs. Frauchen sagt immer, wir sind die hündischen "Ernie und Bert". Keine Ahnung, wer das sein soll...

Ich besuche zur Zeit die Hundeschule, und nächstes Jahr wechseln Dante und ich in den SV-Werden, um da Agility usw. zu praktizieren (Frauchen hat ja immer noch die Hoffnung das mein Gehorsam dadurch gefestigt wird). Spaßeshalber versteht sich...

Noch ein Wort zum Spielen und Bellen: Bälle, Stöckchen, Frisbee - ich mag sie alle! Ich spiel mit allem Spielzeug und mit jedem Hund! Und Bellen...naja gut, ganz am Anfang habe ich mich noch nicht getraut, aber bald kam doch der Beschützer in mir durch (ich bin doch ein Rottweiler!...jedenfalls im Innersten). Ich schlage an, wenn Fremde durchs Haus schleichen, und ich bewache Dantes Auto. Frauchen freut sich immer, wenn sie mein "ArooOO" hört (ich bin der "King of ArooOO", bzw. einer davon....;-).

Ach ja, und hier auch noch Frauchens Lieblingsbild von mir! Sie ist ja auch ein großer Freund der Am.Staffs und Pit Bulls, und Herrchen hat da einen Pullover, auf dem hinten drauf steht...*reusper*..."Pulling Pits, pure Power!" Nach diesem Foto, welches auf dem Laborbeagletreffen entstanden ist, sagt Frauchen immer: "Pulling Snoopy, pure Power!"...*grins*...

 

ArooOOOOOO Euer Snoop Doggy (kurz:Snoopy) mit seinem Frauchen Ivy

 

PS.: An all die Herrchen und Frauchen, die sich für einen Laborbeagle interessieren : Gebt meinen Mitbeaglen ein schönes neues Zuhause! Vielleicht sind wir etwas anstrengender, als der Welpe vom Züchter, aber lohnen wird es sich auf jeeeeden Fall! Versprochen und Pfote drauf!!!

© Ivonne Sallach 2001
Kontakt:
Biohazard2001@t-online.de